Tragwerksplanung für sensible Anforderungen: Richtfest für die Erweiterung der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tübingen
Am 20. Mai 2026 wurde mit dem Richtfest für die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tübingen ein wichtiger Meilenstein erreicht. Mit dem viergeschossigen Neubau werden dringend benötigte Kapazitäten für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen geschaffen. Es entstehen Betten- und Therapieräume, Aufenthaltsbereiche für Eltern und Personal sowie eine Tiefgarage.
Für die Tragwerksplanung standen dabei nicht nur die funktionalen Anforderungen eines modernen Klinikgebäudes im Mittelpunkt, sondern insbesondere die komplexen Randbedingungen des Standorts. Der Neubau entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zu bestehenden Klinikgebäuden, die teilweise unter Denkmalschutz stehen, und wird während des laufenden Klinikbetriebs realisiert.
Die besondere Herausforderung bestand darin, die neue Gebäudestruktur sicher in den vorhandenen Bestand einzubinden, ohne die angrenzenden Bauwerke zu beeinträchtigen. Hierfür wurden umfangreiche Untersuchungen und konstruktive Maßnahmen entwickelt. In Teilbereichen waren Unterfangungen bestehender Fundamente erforderlich, um Lastumlagerungen kontrolliert abzuleiten und die Standsicherheit der Bestandsgebäude jederzeit zu gewährleisten.
Der Erweiterungsbau wird als viergeschossige Stahlbetonkonstruktion in fugenfreier Ortbetonbauweise ausgeführt. Die punktgestützten Flachdecken ermöglichen flexible Grundrisse und schaffen die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche sowie langfristig anpassungsfähige Nutzung der Klinikflächen. Direkt an den Bestand angrenzende Wände wurden als Stahlbeton-Hohlwände mit Ortbetonkern konzipiert, um die Bauabläufe unter den beengten Rahmenbedingungen zu optimieren und gleichzeitig höchste Anforderungen an Tragfähigkeit und Ausführungssicherheit zu erfüllen.
Auch die Gründung stellte besondere Anforderungen. Die tragenden Bauteile werden über Einzel- und Streifenfundamente auf tragfähigem Baugrund gegründet. Ergänzend kommen Magerbetontieferführungen zum Einsatz, um die Lasten sicher in den Untergrund einzuleiten und die angrenzende Bebauung zu schützen.
Ein weiterer wesentlicher Planungsaspekt war der Nachweis der Erdbebensicherheit. Aufgrund der Lage des Standorts in Erdbebenzone 3 wurden erhöhte Anforderungen an die Tragwerksplanung gestellt, um die Sicherheit von Patienten, Mitarbeitenden und Besuchern dauerhaft zu gewährleisten.
Mit der Rohbaufertigstellung ist ein bedeutender Bauabschnitt abgeschlossen. Wir freuen uns, gemeinsam mit allen Projektbeteiligten zur Realisierung dieses anspruchsvollen Gesundheitsbaus beizutragen.
Bauherr: Universitätsklinikum Tübingen
Architektur: kreuger wilkins architekten, Stuttgart
Leistung MVD: Tragwerksplanung nach HOAI § 51, LPH 1–6 und 8